Walter Baumgartner

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Walter Baumgartner
Der OSM-Bürgermeister

Er lebt und arbeitet in Villanders im Eisacktal. Als Unternehmer im Bereich Software ist Walter Baumgartner im täglichen Kontakt mit Anwendungen und Programmen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der studierte Rechtswissenschafter sich vor allem für Open Data im Allgemeinen, Archivierungssysteme und 3D-Anwendungen interessiert. Doch der Villanderer hat auch noch eine andere wichtige Funktion inne: Seit 2010 ist Walter Baumgartner Bürgermeister der Gemeinde Villanders. Aus dem Bedürfnis heraus, dass die digitalen Karten der kommerziellen Navigationsanbieter nicht regelmäßig aktualisiert werden, sah er sich eines Tages gezwungen, etwas zu unternehmen: Der Bürgermeister hat OpenStreetMap-Mapper um Hilfe gebeten und gemeinsam mit ihnen das gesamte Gemeindegebiet digital kartographiert und mit Namen versehen.

Wann und wie sind Sie mit der Welt von Open Data, OpenStreetMap (OSM) und Open Source in Kontakt gekommen?

Damit in Kontakt gekommen bin ich im Jahr 2013 und zwar auf Einladung des Gemeindenverbandes: Die Gemeinde Villanders hat fast ihre gesamte Software auf Open Source umgestellt.

Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile?

Open Source sehe ich als Voraussetzung, damit Wissen auch in Zukunft der Allgemeinheit zur Verfügung steht.

Was würden Sie sich, bezogen auf Südtirol, in diesen Bereichen für die Zukunft wünschen?

Die öffentliche Hand sollte meiner Meinung nach massiv auf Open Source setzen – besonders die Landesverwaltung.

Villanders wurde 2013 von OSM-Mappers besucht, welche die gesamte Gemeinde geographisch erhoben haben. Warum bestand bei Ihnen so großes Interesse an einem Mapping der Gemeinde Villanders?

Ich war besonders interessiert daran, das gesamte Gemeindegebiet digital zu kartographieren, weil kommerzielle Dienste lange Zeit nicht aktualisiert werden: Navteq und TomTom, die beiden größten digitalen Kartenhersteller, aktualisieren ihre Karten nicht regelmäßig – auch wenn man sich auf deren Seiten registriert und ihnen Hinweise und Verbesserungsvorschläge zukommen lässt. Da in Villanders 2009 die Straßennamen umgestellt wurden und bis heute die Karten der Navi-Hersteller nicht verändert wurden, sah ich in OpenStreetMap eine Alternative und einen Vorteil gegenüber den kommerziellen Kartenherstellern – in der Hoffnung, diese würden dann reagieren.

Wie war der Verlauf des Projektes? Bitte beschreiben Sie uns, wie die Mapper vorgegangen sind.

Die Mapper habe ich bei einem Treffen im TIS innovation park kennengelernt und ihnen mein Anliegen beschrieben. Daraufhin haben sie zugesagt, für einen Lokalaugenschein nach Villanders zu kommen. Einige Zeit habe ich nichts mehr von ihnen gehört und dachte, ehrlich gesagt, gar nicht mehr daran. Wieso sollte jemand sich, noch dazu kostenlos, diese Arbeit antun? Völlig unerwartet wurde ich dann eines Tages von einem der Mapper kontaktiert und informiert, dass sie in wenigen Tagen mit mehreren Leuten nach Villanders kommen würden. Ich war begeistert und habe schnell ein paar Leute mit ähnlichen Interessen organisiert. Sensationell war auch die Tatsache, dass die Mapper bereits im Vorfeld alle Gebäude der Gemeinde in der digitalen Karte von OpenStreetMap eingetragen hatten – und das von fast Null an. Die beiden Mapper sind sodann an einem Vormittag angekommen. Wir haben uns im Gemeindesaal näher kennengelernt und sie haben uns einige Dinge über OSM erklärt. Noch am selben Vormittag haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und sind durch das Dorf gewandert, wo wir live erleben konnten, wie die beiden Mapper arbeiten. Interessant dabei war, dass beide unterschiedliche Methoden des Mappings verwendeten: Der eine hat seine Vermerke mittels einer App bereits digital vor Ort aufgezeichnet und dann im Gemeindesaal am Computer importiert und angepasst; der andere hingegen hat alles auf Papier festgehalten und anschließend, zurück im Gemeindesaal, digital eingegeben. Die Ergebnisse waren dieselben. Besonders interessant an der ganzen Sache war, dass sie sehr konkret vorgegangen sind und wir an konkreten Beispielen vor Ort gesehen haben, wie sie arbeiten.

Wie entwickelt sich das Mapping im Allgemeinen in Südtirol?

Zur aktuellen Situation im Detail kann ich nicht allzu viel sagen. In Villanders gibt es inzwischen gar einige Mapper, aber die Tätigkeit ist leider etwas abgeflaut.

Verraten Sie uns, welches Open Data Projekt Ihre Gemeinde als Nächstes angehen wird?

Wir werden die erhobenen Daten verfeinern und einen Einführungskurs für neue Mapper organisieren.

Mehr Infos

Website der Gemeinde Villanders
http://www.villandro.eu

Villanders in OpenStreetMap
http://www.openstreetmap.org/relation/47287

Projektbeschreibung
http://conf.openstreetmap.it/wp-content/uploads/2013/10/Villandro-Villanders-OSMit-HQ.pdf

OpenStreetMap
http://www.openstreetmap.org