Martin Raifer

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Martin Raifer
Der Mapper

Der Eppaner Martin Raifer geht einem nicht ganz alltäglichen Hobby nach: dem Open Street Mapping, sprich dem Erstellen und Ergänzen von Karten im Internet. Ganz egal, ob es sich um eine neue Eisdiele, einen kürzlich ausgebauten Radweg oder eine versetzte Bushaltestelle handelt: Wann immer dem Studenten der technischen Physik in seiner Wahlheimat Graz oder zuhause in Eppan eine Veränderung ins Auge springt, trägt er diese auf den digitalen Karten des Kartographiedienstes OpenStreetMap (OSM) ein. Die Motivationen dahinter sind vielfältig.

Martin, wie sind Sie zu OpenStreetMap gekommen?

Durch das Mountainbiken. Ich war schon länger auf der Suche nach einer geeigneten Karte. Denn die herkömmlichen Karten, die man in digitaler oder gedruckter Form finden konnte und kann, sind oft sehr ungenau. Mir persönlich fehlten oft verschiedene Informationen, zum Beispiel ob es entlang der Route auch Trinkbrunnen gibt oder wo ich sonst eine Möglichkeit finde, meine Wasserreserven aufzufüllen. Informationen, die beim Mountainbiken einfach wichtig sind. Auf die Karten von OpenStreetMap wurde ich dann über Berichte auf verschiedenen Internetnachrichtenportalen aufmerksam.

Kann man sagen, es war Liebe auf den ersten Blick?

Ja und Nein. Ich war zwar von der Grundidee begeistert, aber ich muss zugeben, ich war am Anfang etwas skeptisch. Ich dachte mir, das Projekt sei zu ambitioniert. Vor allem, als ich auf die weiße Südtirolkarte klickte, auf der nur die A22 Autobahn und ein paar Straßen und Dörfer eingezeichnet waren. Ich habe dann das Projekt auch für eine längere Zeit nicht mehr verfolgt. Als ich dann vor zirka zwei bis drei Jahren wieder eine der Karten öffnete, hatte ich dann einen regelrechten Wow-Effekt. Seitdem benutze ich die OpenStreetMap.

Und seitdem sind Sie auch aktiver Mapper?

Nein, ich habe damit erst langsam angefangen. Zuerst habe ich die Karten einfach nur benutzt, eben weil ich sie viel besser und nützlicher fand, als zum Beispiel Googlemaps. Dann habe ich aber sehr bald auch angefangen, Daten einzutragen. Heute mappe ich nicht täglich, es kommt eher auf die Situation an. Wenn ich irgendwo unterwegs bin und mir ein neues Detail ins Auge sticht, dann trage ich es später zu Hause am Computer ein. Ich nehme auch regelmäßig am OSM-Stammtisch in Graz teil. Dort tauschen wir uns dann über Neuigkeiten aus, geben Ratschläge und besprechen alles rund um das Thema.

Wie entwickelt sich das Mapping in Südtirol?

Die Arbeit an OSM in Südtirol entwickelt sich kontinuierlich weiter. In den letzten sechs Monaten haben ungefähr zwischen 100 und 200 verschiedene User in Südtirol an OSM mitgearbeitet. Es gibt auch eine Südtiroler OSM-Community mit einer eigenen Mailingliste, in der sich bis jetzt um die 25 Interessierte eingeschrieben haben. Außerdem beginnt sich in Südtirol langsam eine eigene Community rund um das Thema Open Data zu bilden. Einen ersten großen Schritt in diese Richtung macht das Projekt OpenGISData.eu, welches zum Ziel hat, die Geo-Daten der Provinz Bozen frei verfügbar zu machen, um diese unter anderem in OpenStreetMap weiter zu verwenden.

Ein interessanter Aspekt von OSM besteht auch in der Nutzung der Karten im Rahmen von Hilfsaktionen in Krisengebieten. Können Sie uns dafür ein Beispiel nennen?

Im Rahmen des OSM-internen Projekts H.O.T. (Humanitarian OSM Team) werden immer wieder Hilfsaktionen unterstützt, und zwar durch die Bereitstellung von Kartenmaterial für HelferInnen und Betroffene in Krisenregionen. Beispielsweise haben Freiwillige von OSM nach dem schweren Erdbeben in Haiti 2010 sofort damit begonnen, das betroffene Gebiet mit den zerstörten Gebäuden, blockierten Straßen, Notunterkünften und vielem mehr zu kartieren. Diese OpenStreetMap-Karten sind für humanitäre Projekte von unschätzbarem Wert, da es in vielen Krisengebieten entweder gar keine oder nur sehr mangelhafte Karten gibt.

Und zum Schluss noch die Königsfrage: Warum sind Sie nach so vielen Jahren noch immer ein leidenschaftlicher Mapper?

Da gibt es eine Menge Gründe. Die Motivation, die dahinter steckt, ist jene, dass man eine bessere Karte kreieren möchte, weil man mit dem bestehenden Angebot nicht zufrieden ist. Vielleicht auch, weil man irgendwann mehr Unabhängigkeit von Google und Co. erlangen möchte. Vor allem aber, weil es Spaß macht. Man kann sogar sagen, OpenStreetMap macht süchtig. Und es ist eine sehr sinnvolle Tätigkeit. Man produziert etwas, das auch anderen Menschen nützlich ist, man ist kreativ tätig, aber mit einem praktischen Hintergedanken. Und man erschafft zusammen etwas Besseres.

Mehr Infos

Mailingliste OpenGISData.eu Mappers Community
mappers@opengisdata.eu

Mailingliste OSM-Community Südtirol
talk-it-southtyrol@openstreetmap.org

Homepage des H.O.T.-Projekts
hot.openstreetmap.org