Ivo Planötscher

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Ivo Planötscher
Der GIS-Analytiker

Der Koordinator des Südtiroler Kompetenzzentrums GIS (Geographische Informationssysteme) ist ein echtes Urgestein in Sachen Geoinformationssysteme. Bereits vor gut 26 Jahren, also noch ganz in den Anfängen des territorialen Informationssystems der Landesverwaltung, hat Ivo Planötscher begonnen, mit GIS zu arbeiten. Seine Ausbildung, so sagt er selbst, war immer sehr praktisch orientiert. Nach einem Master of Advanced Studies in Geographischen Informationssystemen an der Universität Salzburg ist er heute verantwortlich für die Realisierung der EU-konformen Geodaten-Infrastruktur der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol.

Was genau ist das Kompetenzzentrum GIS und worin besteht dessen Aufgabe?

Das Kompetenzzentrum GIS der Landesabteilung Informatik ist eine Zusammenführung der MitarbeiterInnen der Abteilung Informationstechnik der Landesverwaltung mit den MitarbeiterInnen der Südtiroler Informatik AG. Wie der Name schon sagt, arbeiten wir mit Geoinformationssystemen, also Informationssystemen zur Erfassung, Bearbeitung, Organisation, Analyse und Präsentation räumlicher Daten. Zu unseren Kunden gehören die Abteilungen der Landesverwaltung sowie die Gemeinden und der Gemeindeverband. Die Aufgabe des Kompetenzzentrums besteht darin, unseren Kunden, welche geografische Daten produzieren oder auch geografisch orientierte Notwendigkeiten haben, behilflich zu sein.

Können Sie uns dafür ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel haben wir bereits in den späten 1980er Jahren damit begonnen die Bauleitpläne der Südtiroler Gemeinden zu digitalisieren, also vom Papier in digitale, geografische Daten umzuwandeln. Wir haben damals mit externen Firmen zusammen gearbeitet und eine Softwarelösung entwickelt, die diese Digitalisierung unterstützt. Mittlerweile sind praktisch alle Gemeinden Südtirols mit einem digitalen Bauleitplan ausgestattet. Diese digitalen Bauleitpläne sind im zentralen territorialen Informationssystem der Landesverwaltung abgespeichert und stellen eine von zahlreichen Informationsschichten dar. Über die GeoBrowser der Landesverwaltung hat dann jeder Zugriff auf diese Daten.

Sie sind unter anderem für die Realisierung der INSPIRE-konformen Geodaten-Infrastruktur der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol zuständig. Was genau bedeutet das?

Die INSPIRE-Richtlinie ist eine EU-Richtlinie, welche uns dazu verpflichtet, innerhalb gewisser Termine ganz bestimmte Resultate zu erarbeiten. Unter anderem sind wir dazu verpflichtet – und dies geht in Richtung Open Data, nicht mehr nur einfache Websites zu produzieren, sondern richtige Dienste im Internet zur Verfügung zu stellen. Diese sogenannten Web-services sollen von der Community im Internet genutzt werden können. Es handelt sich dabei um hochstandardisierte Dienste, welche Informationen veröffentlichen, die dann bei Produktionsprozessen von Unternehmen eingesetzt werden können. Ein gutes Beispiel sind Webdienste, welche wir für den Bereich Tourismus exponiert haben.

Sie sind ja ein absoluter Experte auf dem Gebiet der GIS. Können Sie etwas zum OpenGISData.eu Projekt sagen?

Das OpenGISData.eu-Projekt hat, wie der Name schon anklingen lässt, einen starken Open-Data-Charakter. Das Projekt versucht auch in Südtirol ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jene Daten, die in der Verwaltung erhoben und gepflegt werden, auch den Personen gehören sollen, welche mit ihren Steuergeldern dazu beigetragen haben, dass diese Daten überhaupt entstehen können. Denn es darf nicht vergessen werden, Datenerhebung und Datenpflege ist der größte Kostenposten im ganzen System. Die Kosten eines territorialen Informationssystems werden nicht von den Maschinen oder Softwarelösungen geprägt, sondern zu 80% von der Erhebung und Pflege der Daten.

Welches sind in Ihren Augen die Vorteile von Open Data?

Der Vorteil liegt eindeutig in der Diffusion dieser sehr kostspieligen Daten. Denn es darf nicht sein, dass nur einige wenige Personen in den Abteilungen der Landesverwaltung Zugriff auf Daten haben. Natürlich sind solche Daten zumeist für administrative Zwecke maßgeschneidert aber, und das schreibt die EU vor, sie müssen in der Form an Dritte weitergegeben werden, dass diese sie auch verstehen und verwenden können. Der größte Vorteil ist also in meinen Augen, dass dieser enorme Datenschatz den Unternehmen und Privaten in bestmöglicher Weise zur Verfügung gestellt wird.

Mehr Infos

Geoportal Südtirol
http://geoportal.buergernetz.bz.it

Datenkatalog im Geoportal Südtirol
http://geokatalog.buergernetz.bz.it

Applikation zur Demonstration der freien Webservices für Tourismusportale
http://sdi.provinz.bz.it/touring