Hugo Leiter

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Hugo Leiter
Der EDV-Abteilungsleiter

Nach dem Ingenieurstudium in Padua, absolvierte er einen Master in Business in den USA. Er arbeitete bei verschiedenen Unternehmen wie Siemens, Texas Instruments, HP, Wang, Apollo hauptsächlich in der Entwicklung von elektronischen Geräten und Ablaufsteuerungen. Seit 22 Jahren ist Hugo Leiter nun im Südtiroler Gemeindeverband verantwortlich für die EDV-Abteilung (Elektronische Datenverarbeitung). 2010 hat der Südtiroler Gemeindenverband in Zusammenarbeit mit der Autonomen Provinz Bozen und dem TIS Innovation Park Südtirol das Projekt "OpenGISData.eu" gestartet.

Wie kamen Sie erstmals mit Open Data in Kontakt?

Natürlich kam ich aufgrund meiner Arbeit beim Gemeindenverband vielfach mit freier Software und offenen Datenformaten in Kontakt. Beispielsweise haben wir im Jahr 2000 zusammen mit der Universität Bozen und Limerick sowie einigen Privatunternehmen aus Ungarn, Deutschland, Italien das von der EU Kommission finanzierte Projekt COSPA (Consortium for Open Source Software in the Public Administration) zur Einführung freier Software in der öffentlichen Verwaltung ins Leben gerufen. Der Gemeindenverband hat die Gemeinden bei ihren ersten Schritten Richtung Open Software stets unterstützt. Schließlich haben wir als Südtiroler Gemeindenverband im Jahr 2010 gemeinsam mit der Provinz Bozen und dem TIS innovation park mit OpenGISData.eu ein Projekt zur Verwaltung aller Südtiroler Straßenadressen, also den Verlauf der Wege sowie alle Hausnummern, in OpenStreetMap initiiert.

Was sind die Ziele von OpenGISData.eu?

OpenGISData.eu ist sicherlich ein innovativer Schritt, das sieht man auch daran, dass das Projekt immer noch erfolgreich läuft. Das Ziel des Projektes ist es, alle raumbezogenen Daten offen und möglichst einfach jedem zugänglich zu machen. OpenStreetMap und OpenWeatherMap sind zwei offene Datenbanken. Programmierer aller Länder können Anwendungen schreiben, denen diese Datenbanken zu Grunde liegen, ohne vorerst Benutzungsrechte einholen zu müssen. Der AnwenderInnenkreis offener Datenbanken und deren Anwendungen wächst täglich – neue Daten werden eingegeben und wiederum der Welt zur Verfügung gestellt. Der Vorteil ist, dass Punkte, die vielleicht für Player wie Google weniger von Interesse sind, in OpenStreetMap auch Eintragung finden – so kann OSM mithilfe der gesamten Gesellschaft zu einem äußerst kompletten geographischen Informationssystem heranwachsen.

Welche Bedeutung können Open Data für BürgerInnen haben?

Open Data bedeutet die Offenlegung und der freie Zugriff auf jegliche Art von Daten für alle. Alle Daten, welche von öffentlichen Verwaltungen bezahlt und verwaltet werden, sind in der Regel jedem frei zugänglich – mit der einzigen Ausnahme der personenbezogenen Daten bzw. Daten, die auf Personen schließen können. – Lediglich für das zur Verfügung gestellte Material kann eine Schutzgebühr verlangt werden. Die BürgerInnen profitieren von dieser Entwicklung. Zunächst können, wie gesagt, mit diesen Daten neue Anwendungen geschrieben werden, die wiederum Informationen für das tägliche Leben ausgeben und so das Leben erleichtern. Die Idee von offenen Daten ist, dass sie jeder für beliebige Zwecke, also auch für kommerzielle, benützen kann.

Um welche Art von frei zugänglichen Daten handelt es sich?

Das können zum Beispiel raumbezogene Daten sein; sprich punktförmige Adressinformationen, wie Handelsbetriebe oder Gaststätten, Orte von Interesse, die auch von der öffentlichen Verwaltung verwaltet werden. Weitere Daten können Bauleitpläne, Baugenehmigungen, Besetzung öffentlichen Grundes, Marktplätze, Straßen, Grabungen, Werbeflächen, Solaranlagen usw. betreffen. Rund 70 % der von der öffentlichen Verwaltung getroffenen Beschlüsse sind in irgend einer Form raumbezogen. NutznießerInnen offener Daten sind Software-Hersteller, die diese Daten verarbeiten können, und BürgerInnen, denen entsprechende Programme zur Verfügung stehen. Das ist die Idee von Open Data.

Was sind die Vorteile von freier Software und offenen Daten?

Die öffentliche Verwaltung sollte für die Ausgaben bezüglich Software besonders sensibel sein, wenn man bedenkt, wie viel sie in diesen Bereich investiert. Hier besteht ohne Zweifel großes Potential für Einsparungen und den Ausbau von Unabhängigkeit von einzelnen Vertragshändlern. Was der freie Zugriff auf offene Daten bedeutet, hat das TIS innovation park eindrucksvoll beim ersten Südtiroler Hackathon 2013 gezeigt. Ein gutes Beispiel war die Regen-Applikation von zwei jungen Hackern, die für die Erstellung eines Smartphone-Programms öffentlich zugängliche Wetterdaten verwenden konnten. Dasselbe ist mit allen öffentlich zugänglichen, verwaltbaren, veränderbaren und kombinierbaren Daten möglich. Die öffentliche Verwaltung hat beispielsweise alle punktförmigen Adressen erhoben und deshalb ist es nur logisch, dass diese Daten allen auch frei zur Verfügung stehen. Dieser Tendenz, welche in Südtirol sicherlich sehr unterstützt wird, sehe ich persönlich sehr positiv entgegen. Es ist zu ergänzen, dass viele Daten bereits verfügbar sind, aber nicht immer in einem einfach elektronisch zugänglichem und verwaltbaren Format. Hier gibt es sicherlich noch Aufholbedarf.

Mehr Infos

Website des Südtiroler Gemeindenverbandes
http://www.gvcc.net

OpenWeatherMap
http://openweathermap.org/

COSPA
http://cospa.case.unibz.it