Christian Peer

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Christian Peer
Der Web-Unternehmensgründer

Kurz und knackig hat er es am Liebsten und so geben wir es auch weiter: Christian Peer ist Jahrgang 1975, in Kaltern aufgewachsen und Vater von drei Kindern. Seine ursprüngliche Ausbildung ist eigentlich die des Fotosetzers, vergleichbar mit dem heutigen Mediengestalter. 1999 hat er das Internetbüro „Peer internet solutions" gegründet, das sich mittlerweile zum Unternehmen weiterentwickelt hat und so ist er heute Geschäftsführer der Peer GmbH. Seit 2010 ist auch Open Source ein wichtiges Element im Betrieb des Unternehmensgründers, zu dessen Hobbies Taekwondo, Bogenschießen und Wandern zählen.

Sie haben vor 15 Jahren das Internetbüro „Peer internet solutions" gegründet. Erzählen Sie uns bitte, worauf sich Ihre Firma spezialisiert hat?

Die Peer GmbH betreibt mehrere touristische Internetportale für die Destinationen Südtirol, Tirol und Trentino in Eigenregie. Ziel ist es, unsere Gästen bei der Planung Ihres Urlaubes zu unterstützen. Wir finanzieren uns über die Beiträge der Unterkunftsbetriebe, die für eine Platzierung in diesen Portalen bezahlen. Seit vier Jahren investieren wir auch in den Bereich Webvideo und bauen den WebTV Kanal "Peer.tv" auf, auf Basis dessen aktuell mehrere verschiedene Lösungen von einer SmartTV-App bis Hotel-Infochannels entstehen.

Wie wichtig ist nun Internet Marketing für den Südtiroler Tourismus und was hat sich in den letzen 15 Jahren auf diesem Gebiet getan?

Natürlich hat es sehr viel Bewegung in diesem dynamischen Wachstumsmarkt gegeben. Viele neue Anbieter sind entstanden, einige sind auch wieder von der Bildfläche verschwunden. Insgesamt kann man sagen, dass das Thema Internet Marketing immer komplexer geworden ist und immer stärker von globalen Playern wie Google, Facebook und Booking.com gefärbt wird. Die Werbeinvestitionen der Hotels haben sich in diesen Jahren bedeutend vom Print ins Internet verschoben, ein Trend, der immer noch anhält. Aus meiner Sicht ist es aktuell wichtig, dass sich lokale Unternehmen, sowohl Internet-Anbieter als auch Hotels, nicht zu sehr in die Abhängigkeit der genannten globalen Player begeben.

Open Data und Open Source sind wesentliche Bestandteile Ihrer Arbeit. Sie haben 2010 den ersten Open Source Augmented Reality Browser für Android "mixare.org" präsentiert. Was genau können wir uns darunter vorstellen und was ist das Besondere daran?

„mixare.org" war für unser Unternehmen ein sehr interessantes Projekt. Wir wollten im Jahr 2010 eine Augmented-Reality-Lösung auf Basis einer bestehenden, proprietären Software bauen. Die AnwenderInnen sollten die Möglichkeit haben, über ihr Smartphone zusätzliche Informationen zu Ihrer Umgebung eingeblendet zu bekommen. Konkret funktioniert dies so, dass das Smartphone wie beim Fotografieren z. B. auf eine Bergkette gehalten wird und über das Bild die Namen der Berge und weitere Informationen eingeblendet werden. Hierbei sind wir relativ schnell auf konkrete Probleme mit der eingesetzten proprietären Software gestoßen. Obwohl wir intensiven Kontakt zum Hersteller pflegten, sah sich dieser nicht in der Lage das Problem zu beheben. Also haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen, eine eigene Lösung zu programmieren und als Freie Software zu publizieren: „mixare.org". Die Entscheidung für eine Open-Source-Lizenz war ganz pragmatisch: Wir hatten als kleines Unternehmen nämlich absolut nicht die Möglichkeit, mixare auf den zahlreichen verschiedenen Smartphone-Modellen zu testen, dies hat dank Open-Source-Lizenz die weltweite Community erledigt. Augmented Reality ist nach wie vor ein heißes Thema – Projekte wie Google Glass beweisen das. Unser Unternehmen konzentriert sich aktuell jedoch auf andere Projekte, unter anderem da wir gesehen haben, dass die Sensoren und vor allem der Kompass der Smartphones heute leider immer noch nicht sehr zuverlässig arbeiten. Das Projekt wird jedoch von der Community, also von verschiedensten Entwicklern weltweit, weiter entwickelt.

Wann und wie sind Sie selbst mit der Welt von Open Data und Open Source in Kontakt gekommen? Worin sehen Sie die Vorteile und Nachteile?

Im Jahr 2000 bin ich über die Linux User Group Bozen mit dieser Welt in Kontakt gekommen. Mich hat das Konzept "Freie Software" sofort überzeugt. Man baut gemeinsam an Software-Lösungen, gibt die Ergebnisse frei, andere prüfen diese Software, verbessern und erweitern sie. Die Software wird durch diese Transparenz sicherer und alle profitieren. Ich behaupte sogar, die Gesellschaft als Ganzes kommt durch Freie Software schneller weiter. Eine große Herausforderung für IT-Unternehmen liegt sicherlich darin, ein konkretes und funktionierendes Geschäftsmodell rund um Freie Software zu finden. Natürlich gibt es zahlreiche Beispiele, bei denen dies erfolgreich geschafft wurde.

Was würden Sie sich, bezogen auf Südtirol, im Bereich Open Data und Open Source für die Zukunft wünschen?

Ich sehe es als große Chance für Südtirol weitreichende Kompetenzen im Open-Source-Bereich in Südtirol aufzubauen. Hierfür wäre es unter anderem hilfreich, wenn sich die öffentliche Verwaltung noch stärker auf Freie Software setzen würde. Wieso die knappen finanziellen Ressourcen in irgendwelche Lizenzen von globalen Unternehmen investieren ­(wo sie dann meist nach lächerlich geringen Steuerzahlungen auf den Cayman Islands landen – siehe "Double Irish With a Dutch Sandwich"), wenn man dieses Geld auch in die Menschen hier vor Ort investieren kann? Ganz abgesehen von den konkreten Vorteilen der Wiederverwendbarkeit der Lösungen innerhalb und außerhalb der Öffentlichen Verwaltung. Weiters habe ich letzthin mit großer Freude die Open-Data-Bestrebungen der öffentlichen Verwaltung beobachtet. Ich glaube, das ist der richtige Weg. Daten, die mit öffentlichen Geldern erstellt wurden, sollten auch frei zur Verfügung gestellt werden. Diese Kombination von Open Data und Freier Software schafft ein Umfeld, in dem Innovation gedeihen kann. Innovation, die unserer Provinz einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und somit Arbeitsplätze schaffen kann.

Zu guter Letzt: Würden Sie uns verraten, an welchem Projekt Ihre Firma im Moment arbeitet?

Wie gesagt, investieren wir zur Zeit mit unserem Projekt Peer.tv in den Bereich Webvideo. Smart-TV wird aus unserer Sicht in naher Zukunft ein sehr interessanter Markt werden, auch wenn er de facto erst noch entstehen muss. Die aktuelle Situation gestaltet sich zu heterogen, die großen Hersteller wissen teils selbst noch nicht, wohin die Reise geht. Fakt ist: Das Bewegtbild wird im Internet immer wichtiger, das Internet auf dem Fernseher wird immer wichtiger. Darauf setzen wir und versuchen dies für unsere Unternehmensentwicklung zu nutzen. Weiters arbeiten wir mit mehreren Südtiroler Unternehmen am freien Schnittstellenstandard "AlpineBits". Ein Projekt das uns allen helfen wird, die Attraktivität unserer Produkte und Dienstleistungen bedeutend zu erhöhen.

Mehr Infos

Peer S.r.l.
http://www.peer.biz

Peer TV
http://www.peer.tv

MIxare.org project
http://www.mixare.org

Alpine Bits
http://www.alpinebits.org

Linux User Group of Bolzano
http://www.lugbz.org

Double Irish With a Dutch Sandwich
https://de.wikipedia.org/wiki/Double_Irish_With_a_Dutch_Sandwich