Markus Windegger

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Markus Windegger
The Free Software developer

What happens when an IT student, waiting for his bus, stumbles upon a source code and downloads it on his phone? Nothing too exciting, normally. Not so in the case of Markus Windegger. For this 22 year old student it was only the beginning of his true passion and of his career. Today, the young boy from Val d'Ultimo, who is involved in an integration project in Plaus during his scarce spare time, works for local transport company SASA SpA-AG and is the main programmer of the SASAbus Android app. This app allows you to download all timetables of the SASA SpA-AG buses running in Bolzano, Merano and Laives.

Herr Windegger, was kann man sich unter Free Software vorstellen?

Unter Free Software, also freier Software, versteht man ein Programm, welches unter einer freien Lizenz vertrieben wird. Das heißt, zum Programm muss auch der Quellcode mitgeliefert werden, und dieser kann dann von jedem selbst bei Bedarf angepasst und verändert werden. Um es an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen: Auch die Applikation SASAbus wurde zuerst außerhalb der SASA SpA-AG entwickelt und weiter entwickelt. Erst nach einiger Zeit zeigte die SASA SpA-AG Interesse an dem Projekt und erklärte sich bereit, diese Entwicklungen auch zu fördern. Heute ist es immer noch so, dass wir auch in der Freizeit an dem Projekt weiterarbeiten: Darin besteht auch der Sinn von freier Software: sie wird gefördert von einer Firma, die sich im Vorteil sieht, aber jeder kann mitmachen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit freier Software?

Der Gedanke an freie Software ist schon während meiner Oberschulzeit an der Gewerbeoberschule für Informatik in Bozen entstanden. Bereits in der 3. Klasse kam ich durch meine Lehrer Alfredo Lochmann und Karl Lunger in den Kontakt mit freier Software. Mit der Schulklasse haben wir auch an der South Tyrol Free Software Conference (SFScon) teilgenommen, welche vom TIS innovation park jährlich organisiert wird. Seit damals, das kann man so sagen, bin ich fasziniert vom Thema.

Mittlerweile arbeiten Sie als Free Software Entwickler für die SASA SpA-AG. Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

Ich würde sagen über Umwege. Die Applikation SASAbus habe ich zuerst selbst benutzt, aber bald bemerkt, dass die Software fehlerhaft war. Da mich das Thema sehr interessierte, habe ich mich mit dem Autor der Software Paolo Dongilli in Verbindung gesetzt. Und weil es sich beim SASAbus-Projekt um Freie Software handelt, konnte ich die Applikation herunterladen und die Änderung selbst machen. Ich fand das so spannend, dass ich weiter daran gearbeitet habe. Im Sommer 2012 habe ich dann begonnen für die SASA als Praktikant zu arbeiten. Und damit hat alles seinen Lauf genommen. Seitdem ist die SASAbus-Applikation mein Hauptprojekt und wir arbeiten ständig an der Weiterentwicklung, ebenso wie an den internen Open-Data-Bestrebungen der Firma.

Ich nehme an, dies war nicht das erste Mal, dass Sie an einer Applikation gearbeitet haben?

Doch war es tatsächlich! Als ich mir den Quellcode der SASA-Applikation auf mein Smartphone geladen habe, habe ich auch zum ersten Mal gesehen, wie man auf einem Smartphone programmiert. Natürlich handelt es sich um eine Programmiersprache, die ich bereits in der Schule kennen gelernt habe und natürlich habe ich mich auch während meines Studiums mit der Theorie befasst. Darum hatte ich auch einen gewissen Bezug dazu. Aber wie man konkret auf einem Smartphone programmiert, das habe ich mir selbst beigebracht. Später habe ich dann auch noch an der Universität Kurse zu diesem Thema besucht und mich so auf dem Gebiet weiter entwickelt.

Was würden Sie gerne an der Applikation verbessern bzw. welche Pläne gibt es für die Zukunft?

In Zukunft sollte die Applikation mit Zusatzinfos angereichert werden. Wir möchten den Nutzern, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Projekt Bolzano Traffic, Informationen zur aktuellen Parkplatzsituation liefern. Außerdem würden wir gerne zu einem späteren Zeitpunkt mit Verkehrsdaten der Stadt Bozen arbeiten, das heißt, zum Beispiel, die Verspätungen der Busse anzeigen.

Und abschließend: Sind die SüdtirolerInnen, ihrer Meinung nach, schon bereit für eine Applikation dieser Art?

Die SüdtirolerInnen wären sicherlich bereit für diese Applikation. Das sehen wir ja auch daran, dass viele Menschen unser Produkt nutzen. Leider sind die SüdtirolerInnen oft sehr voreilig in ihrer Meinungsbildung. Wenn sich ihr Bild nicht von Anfang an bestätigt, dann geben sie dem Produkt oft keine Chance mehr. Das ist aber bei freier Software oft nicht möglich. Ein solches Projekt beginnt oft mit einfachen Dingen, die dann erst mithilfe der Community ausgebaut werden. Etwas Gutes braucht Zeit und das müssen bzw. werden auch die SüdtirolerInnen irgendwann verstehen. Sie müssen sich nur auf dieses „Abenteuer der freien Software" einlassen.

Further information

Free Software
http://fsfe.org

SASAbus app project
http://sasabus.org

SASAbus app download
http://goo.gl/tq8Whs

Bolzano Traffic
http://www.integreen-life.bz.it/bolzano-traffic